Jeder Mensch führt Selbstgespräche. Diese müssen nicht unbedingt hörbar sein. Der größte Teil dieser Selbstgespräche läuft überwiegend unhörbar für andere im eigenen Kopf ab. Unserer Gedankenströme stellen sozusagen einen ständigen inneren Dialog dar. Es wird scheinbar pausenlos analysiert, bewertet und diskutiert. Das ist an sich keine große Sache. Meistens ist man sich dessen gar nicht mal bewusst. Die entscheidende Frage ist aber, welchen Einfluss diese Dialoge auf unser Handeln ausüben.
Über unsere inneren Dialoge reflektieren wir entweder unsere inneren Befindlichkeiten, oder äußere Umstände und Ereignisse. Dies führt zu einer Reihe von Assoziationen, wobei also auch Erfahrungen, Gefühle, Meinungen, Erkenntnisse aus der Vergangenheit mit in die Gedankenkette einfließen. In diesem Verarbeitungsprozess beeinflussen Gefühle unsere inneren Dialoge, aber auch umgekehrt beeinflussen diese Dialoge unsere Gefühle.
Da unsere inneren Dialoge einen großen Einfluss auf unsere Gefühle und Stimmungen ausüben, ist es auch nachvollziehbar, dass sie unserer Entscheidungen beeinflussen. Nicht umsonst versucht die Werbung in erster Linie immer die Gefühle der Menschen anzusprechen, um sie zu Käufen zu animieren. Wenn das also so ist, dann kommt es doch sehr auf die Qualität der Selbstgespräche an.
Es macht dann auch Sinn, die eigenen inneren Dialoge einmal bewusst wahrzunehmen und aufzuzeichnen. Wie kommunizieren wir mit uns selbst? Sind die Gespräche überwiegend positiv und motivationsfördernd, oder eher ständig negativ und damit schädlich für die eigenen Motivation? Wie reagieren wir auf Fehler?
Mit dem Trading verhält es sich ähnlich wie beim Hochleistungssport. Die volle Leistungsfähigkeit können nur die Sportler abrufen, die auch mental gut aufgestellt sind. Ein Sportler, der ständig von Selbstzweifeln geplagt wird, wird kaum erfolgreich sein können, denn bei auftretenden Schwierigkeiten werden die Selbstzweifel weiter anwachsen, was die Leistungsfähigkeit in der Folge noch weiter verringert. Sobald ein Sportler sich während eines Wettkampfes auf negative Selbstgespräche einlässt, haben diese Gespräche die Tendenz sich weiter zu verstärken, und führen so leicht zu einer Abwärtsspirale. Die Folge ist, dass der Sportler seine volle Leistungsfähigkeit genau dann nicht zur Verfügung hat, wenn er sie braucht.
Zurück zum Trading: Auch als Trader muss man mental gut aufgestellt sein. Jeder Tag ist eine neue Herausforderung. Um dauerhaft Gewinne erzielen zu können, bedarf es großer mentaler Stärke und Disziplin. Als Trader muss man wachsam sein, und schnell auf sich verändernde Bedingungen reagieren können. Da ist der Trader zu 100 Prozent gefordert.
Was passiert, wenn der Trader beim Trading einen Fehler macht? Sagen wir z. B. ein Trader war unaufmerksam, und verliert seinen ganzen bisherigen Wochengewinn, weil er vergessen hat, eine große Position abzusichern. So ein Fehler dürfte ja eigentlich nicht passieren. Beginnt er nun mit wüsten Selbstbeschimpfungen, die kein Ende mehr nehmen wollen, und hadert tagelang mit seinem Fehler. Oder rafft er sich auf und konzentriert sich auf die nächsten anstehenden Trades. Ist er nun mit Gedanken der Wut und Rache erfüllt, oder fokussiert er sich weiterhin auf seine Methodik? Wie schnell kann ein Trader Fehler beim Trading ausblenden und sich wieder auf sein Geschäft konzentrieren?
Ein Trader, der sich seiner inneren Dialoge bewusst ist, und weiß wie diese auf seine Leistungsfähigkeit einwirken, der wird im Idealfall negative Gedankenkreise schnell stoppen, und die inneren Dialoge wieder zum Positiven drehen. Er könnte sich z. B. sagen: "Gut, das war ein schwerer Fehler, ich lerne daraus und achte in Zukunft mehr auf meine Positionen. Und nun zurück zu meinem Trading. Ich weiß, dass ich traden kann, und werde auch wieder Gewinne einfahren. Ich bin jetzt wieder hellwach und konzentriert. Ich vertraue meinen Fähigkeiten als Trader und freue mich auf die nächsten Trades."
Welcher Trader wird nun eher seine volle Leistungsfähigkeit abrufen können? Ein Trader, der sich ständig selbst kritisiert und sich ständig seine Fehler vorwirft, oder derjenige, der sich stets positiv zuredet und sich selbst Kraft gibt?
Nun, ich denke, Sie kennen die Antwort.
Wenn also jeder Mensch Selbstgespräche führt, und die Qualität dieser Selbstgespräche unser Handeln beeinflusst, dann ist es doch nur sinnvoll und logisch, diese Selbstgespräche bewusst positiv zu gestalten. Dies mag vielleicht für den einen oder anderen etwas ungewohnt sein. Aber je öfter man diesen Ansatz umsetzt, umso einfacher und besser wird es gelingen, die eigenen Tendenzen zu erkennen, sich selbst besser zu verstehen und dann auch diesen Gesprächen bewusst die gewünschte Richtung und Qualität zu geben.
Dabei geht es nicht darum, uns selbst irgendetwas einzureden, sondern darum, uns selbst in die Lage zu versetzen, unser volles Energiepotential abrufen zu können.
Der Lohn dieser Mühen wird sein, dass der Trader besser mit den Herausforderungen des Tradings umgehen kann. Das positive Selbstgespräch kann bei einem diskretionären Trader unter Umständen den Unterschied zwischen einem Gewinn- und einem Verlusttag ausmachen. In diesem Sinne: Hören Sie sich selber zu, achten Sie auf Ihre Gedanken und Worte, und führen Sie Ihre Selbstgespräche auf eine positive Art und Weise.
"Wenn du die Absicht hast, dich zu erneuern, tu es jeden Tag." (Konfuzius)
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