Mentales Training ist vor allem im Leistungssport kaum mehr wegzudenken. Wenn man zu jeder Zeit seine persönlichen Bestleistungen abrufen möchte, dann braucht es neben dem physischen Training auch das mentale Training. Eine Variante des mentalen Trainings ist das Visualisieren. Im Grunde genommen ist das nichts anderes, als die bildhafte Vorstellung von ausgewählten Situationen, Handlungen oder Abläufen.
Jeder kann visualisieren
Das Denken ist ein geistiger Prozess, und während dieses Prozesses erzeugen wir unter anderem auch innere Bilder. Denken Sie z. B. einfach mal an eine knallgelbe Zitrone. Woran denken Sie? Was für ein Bild haben Sie vor Ihrem geistigen Auge gesehen? Vermutlich eine knallgelbe Zitrone.
Wir Menschen visualisieren eigentlich ständig, denn wir erzeugen beim Vorgang des Denkens gleichzeitig auch entsprechende Bilder. Vielleicht sind uns diese Bilder nicht immer so bewusst, weil wir normalerweise nicht darauf achten. Aber dennoch können Bilder über unser Unterbewusstsein ein große Wirkung auf uns oder unser Handeln ausüben.
Sie können sich der Macht der Bilder bedienen, indem Sie den Vorgang des Visualisierens ganz bewusst und gezielt für Ihr mentales Training nutzen. In diesem Zusammenhang bedeutet Visualisieren, dass Sie dabei entweder ganz gezielt vergangene Erfahrungen abrufen, oder sich zukünftige Situationen bildhaft vorstellen. Durch die ständige Wiederholung der Übungen verankern Sie Ihre inneren Bilder mehr und mehr im Unterbewusstsein und werden somit zu inneren Leitbildern. Sie können so bestimmte gewünschte Handlungsweisen automatisieren und verbessern.
Stellen Sie sich die gewünschten Situationen so realistisch wie möglich vor. Auch, wenn dieser Vorgang als Visualisieren bezeichnet wird, ist es vorteilhaft, möglichst alle Ihre Sinne mit einzubeziehen.
Die Technik des Visualisierens kann sehr universell eingesetzt werden. Sie können im Grunde genommen jede gewünschte Situation vor Ihrem geistigen Auge simulieren, und somit gezielt Ihr Unterbewusstsein in Ihrem Sinne beeinflussen. Es ist dabei vorteilhaft, wenn Sie die Augen schließen und sich dabei möglichst entspannen. Sie atmen dabei ruhig und langsam, und konzentrieren sich auf die gewünschten Szenen, die Sie visualisieren möchten.
Trades visualisieren
Dabei rufen Sie aus Ihrem Gedächtnis Situationen ab, in denen Sie z. B. einen Trade erfolgreich durchgeführt haben. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen vor Ihrem Trading-Bildschirm, Sie sehen auf Ihrem Bildschirm die Charts der Handelsinstrumente, die Sie heute traden möchten. Sie spüren auch, wie Sie mit Ihren Händen die Maus bewegen, Sie spüren auch die Tasten Ihrer Computertastatur, wenn Sie etwas eingeben. Stellen Sie sich alles so realistisch wie möglich vor. Sie sehen zu, wie sich der Markt entwickelt, Sie sind ruhig und entspannt, aber zugleich auch hellwach und aufmerksam. Sie warten darauf, dass sich eines Ihrer Setups entwickelt. Nach einiger Zeit ergibt sich eine Handelsmöglichkeit. Die Bedingungen sind so, wie es einem Ihrer Setups entspricht. Sie machen sich bereit und warten entweder darauf, dass Ihr Signal für den Einstieg generiert wird, oder vielleicht geben Sie auch vorab Ihre Orders auf. Wie auch immer, Sie stellen sich alles möglichst genau in allen Einzelheit vor, und agieren vor Ihrem geistigen Auge genau so, wie es Ihrem Handelsplan entspricht.
Ihre Order wird ausgeführt. Vielleicht wird der Eingang Ihrer Order von Ihrem Handelssystem auch akustisch bestätigt. Sie hören, wie der Signalton ertönt. Sie sind im Markt. Sie aber bleiben ruhig. Mal sehen, wie der Trade sich entwickelt. Zur Sicherheit geben Sie eine Stop-Loss Order ein, um Ihre Position abzusichern. Sie aber bleiben ruhig, denn Sie haben einen Plan. Sie wissen, dieser Trade ist nur einer von tausenden von Trades, die Sie noch in den nächsten Jahren machen werden. Die Bedingungen sind heute gut, der Trade entwickelt sich positiv. Die Kurse laufen in Richtung Ihrer Kursziele. Wenn Sie mit Kurszielen arbeiten, dann haben Sie vielleicht auch schon eine Verkaufsorder in das Handelssystem eingegeben. Vielleicht arbeiten Sie aber auch mit nachlaufenden Stopps. Stellen Sie sich alles so detailliert und realistisch vor, wie möglich.
Ihr Kursziel wird nun erreicht, Ihre Verkaufsorder wird ausgeführt, und Sie haben somit Ihren Trade mit Gewinn abgeschlossen.
Training, Training, Training ...
Wenn man Spitzenleistungen erreichen möchte, dann muss man auch entsprechend trainieren. Beim mentalen Training, in diesem Fall dem Visualisieren, bedeutet das z. B., dass man vor seinem geistigen Auge immer wieder die Setups durchspielt, die man traden möchte. Durch das ständige Training werden die Handlungsmuster so gefestigt, dass man alles, was notwendig ist, mehr oder weniger automatisch ausführen kann. Denken Sie z. B. daran, wie Sie das Autofahren gelernt haben. Am Anfang mussten Sie sicherlich noch bei jedem Handgriff überlegen (Kupplung treten, Gang einlegen, auskuppeln, Gas geben, ...), aber nach und nach lief alles mehr und mehr automatisch ab, Sie brauchten nicht mehr lange zu überlegen. Sie haben es einfach getan.
Verluste sind Bestandteil des Geschäfts
Das Training der reinen Handlungsmuster ist die eine Sache, eine andere Sache ist es aber, diese Handlungsmuster dauerhaft gewinnbringend einzusetzen, und das auch, wenn es mal zwischendurch nicht so gut läuft. Die Kurse sind nicht wirklich vorhersehbar, bitte denken Sie daher auch an die Trades, die nicht funktionieren. Diese wird es selbstverständlich auch geben. Und auch diese können Sie visualisieren, um dabei Ihre Fähigkeit zu stärken, mit Verlusten in einer positiven Art und Weise umgehen zu können. Sie sollten sich also auch darauf vorbereiten, dass Handlungsmuster, die normalerweise funktionieren, auf einmal Verluste produzieren. Was machen Sie dann? Wie reagieren Sie? Können Sie die verlustbringenden Trades rechtzeitig stoppen, und auf der anderen Seite die gewinnbringenden Trades weiterlaufen lassen? Können Sie mehrere Verluste in Folge wegstecken, und dann weiter Ihren Tradingplan verfolgen? Seien Sie also auch auf Verluste vorbereitet, denn Verluste gehören ebenso selbstverständlich zum Geschäft wie Gewinne.
Kursbewegungen aufzeichnen
Wenn Sie mit dem Trading erst beginnen, dann haben Sie möglicherweise noch nicht allzu viele Gewinntrades gemacht, auf die Sie bei Ihren Visualisierung zurückgreifen können. In diesem Fall empfiehlt es sich, soviel wie möglich Charts als Video aufzuzeichnen, und sich die gewünschten Sequenzen herauszuschneiden, in denen sich die Setups abspielen, die Sie traden möchten. Am Anfang mag es sinnvoll sein, sich diese Sequenzen immer wieder anzusehen, und dann vor dem geistigen Auge bei geschlossen Augen wieder abspielen zu lassen. Dabei können Sie sich in Gedanken imaginäre Trigger einbauen. Legen Sie in den verschieden Szenen genau fest, an welcher Stelle Sie Ihr Setup als erfüllt betrachten, und an welcher Stelle der jeweilige imaginäre Einstieg liegt. Sie können dann die Szene weiterführen und den entsprechenden imaginären Auftrag absetzen. Ein Tool für die Aufnahme von Bildschirminhalten finden Sie z. B. hier.
Trading auf Demokonten
Noch ein Wort an diejenigen, die noch neu im Tradinggeschäft sind: Seien Sie vorsichtig und halten Sie Ihr Kapital zusammen. Dauerhaft erfolgreiches Trading ist eine Sache der Erfahrung und der mentalen Stärke. Dazu braucht es Jahre! Das Trading stellt spezielle Anforderungen an die Persönlichkeit des Traders, und gerade Neueinsteiger sollten sich dem Thema sehr vorsichtig annähern. Es macht daher Sinn am Anfang erst einmal auf einem Demokonto zu traden. Aber auch, wenn man "nur" auf seinem Demokonto tradet, sollte man das Trading ernsthaft und möglichst realistisch betreiben, und darauf achten seinen Tradingplan auch korrekt umzusetzen.
Ausdauer und Beständigkeit
Das Visualisieren ist nur eines der Werkzeuge, die man für mentales Training einsetzen kann. Sie können damit Leitbilder in Ihrem Unterbewusstsein ablegen, und somit Ihre Handlungsweisen in der gewünschten Art und Weise mehr oder weniger automatisieren. Aber natürlich wirkt es nicht über Nacht, erst durch regelmäßiges Training kann man nach und nach die gewünschten Veränderungen und Verbesserungen erzielen. Wie so oft im Leben, Ausdauer und Beständigkeit bringen einen dann letztlich an das gewünschte Ziel.
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